home Aus erster Hand Zurück zu Hause: Mein Italien-Fazit

Zurück zu Hause: Mein Italien-Fazit

 

Studium, Praktikum oder Sprachkurs im Ausland? Deutsche Studierende im Ausland berichten bei der “studieren weltweit – ERLEBE ES!”– Kampagne des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) von vor Ort!

Julia Friedrich hat 4 Monate ein Praktikum an einer deutschen Schule in Genua gemacht.

Seit fast drei Wochen bin ich jetzt zurück in Deutschland und vor ein paar Tagen hab ich auch mein Zimmer in Mannheim wieder bezogen, dass ich während meines Praktikums in Italien untervermietet hatte. Zeit also, eine Bilanz zu ziehen aus 4 Monaten bella Italia.

 

Unglaublich, dass es vier Monate waren, es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, dass ich meinen ersten Sonnenuntergang in Genua gesehen habe.

 

Als ich Deutschland Ende August 2016 verlassen habe, saß ich mit gespannter Erwartung und einer Menge Fragen im Zug. Ich wollte herausfinden, ob eine Stelle an einer deutschen Schule im Ausland eine Option nach dem Studium ist. Außerdem ging es für mich um die Frage, ob ich auf Dauer in Italien leben könnte. Italien ist ein wunderschönes Land, die Menschen sind offen und herzlich, aber es ist auch ein Land, das in einer tiefen Krise steckt. Gerade junge Menschen zieht es in den Norden, entweder in den Norden Italiens oder in den Norden Europas, weil sie für sich selbst keine Existenzgrundlage in Italien mehr sehen.

 

Viele junge Italiener führt ihr Weg gen Norden.

 

Deutsche Schule im Ausland: eine Option nach dem Studium?

Was die deutsche Schule im Ausland angeht, so kann ich zumindest diese Frage mit ‚ja‘ beantworten: Zum einen ist ein Auslandsaufenthalt auch nach dem Studium als deutsche Lehrkraft noch recht einfach. So ist es nicht nötig, gleich auszuwandern. Die deutschen Lehrkräfte bleiben mindestens zwei, maximal jedoch acht Jahre, bis sie für einige Zeit wieder nach Deutschland zurückkehren. Von dort aus können sie sich dann erneut bewerben. Außerdem ist der Unterricht im Ausland mit anderen Herausforderungen verbunden und zwingt den Lehrenden in eine neue Perspektive. Nicht nur der sprachliche Hintergrund, sondern auch das kulturelle Umfeld beeinflussen die Art von Schülern sich einer Sprache zu nähern, aber auch die Frage nach Geschichte und Politik. Das heißt: Der Kulturschock und das neue Land hören zwar nicht nach der Arbeit auf, gleichzeitig werden in diesem Umfeld aber auch deutsche Traditionen gelebt. Eine gesunde Balance also.

 

Den Unterricht bereite ich mit deutschen Schulbüchern vor und auch die Unterrichtssprache ist Deutsch, aber trotzdem muss man versuchen eine italienische Perspektive einzunehmen.

 

Laut, unpünktlich, Hotel Mama? Ein Vorurteils-Check

Eine weitere Frage, die ich mit im Paket nach Italien hatte, war die Frage nach den Klischees: Sind Italiener wirklich laut und unpünktlich und legen so viel Wert auf Familie? Ist das klassische Rollenbild von der Frau am Herd und dem Muttersöhnchen nur ein böses Vorurteil? Hier also der Vorurteilscheck:

  • Italiener sind sehr direkt – Stimmt, allerdings heißt das nicht, dass sie unhöflich sind. Vielmehr interessieren Sie sich für ihr Gegenüber und stellen auch sehr direkte Fragen.
  • Italienern ist ihre Pasta heilig.  – Ja! Egal was ihr tut – kauft niemals fertige Pastasauce! Mein Mitbewohner sah mich nach diesem Fauxpas nur böse an und sagte: Julia! Das ist ein Verbrechen!
  • Italienisch ist eine Sprache, die neben Ton auch Gesten braucht. – Italiener nehmen ihre Hände ständig zu Hilfe, um das Gesagte zu unterstreichen – für mehr Infos schaut doch in meinen Artikel über Gesten rein!
  • Italiener sind immer unpünktlich. – Das stimmt so nicht, vielmehr haben sie einfach ein anderes Verältnis zu Zeit und nehmen sich auch einfach gerne Zeit. So schließen z.B. viele kleine Läden während der Mittagszeit für 1- 3 Stunden ganz.

 

La dolce vita: Mittagspause.

 

  • Italiener sind laut und reden viel. – Dem ist nichts hinzuzufügen.
  • Italienische Söhne bleiben zuhause bis sie heiraten. – Das ist mittlerweile eher ein Vorurteil, wobei die Italiener für diese von Mamma verwöhnten Kinder ein Wort haben: Sie nennen sie „mammonini“. Lebt ein Sohn allerdings noch zu Hause, liegt das oft eher daran, dass die meisten Italiener in ihrer Heimatstadt studieren und so Geld sparen können.
  • Italiener haben fantastisches Essen. – Stimmt, und das wissen sie auch. Vermutlich ist das mit ein Grund, warum die Lebensmittelpreise im Vergleich mit Deutschland verhältnismäßig hoch sind.

 

Viele Italiener verlassen ihre Heimat auch zum Urlaub machen nicht – mit dem Mittelmeer vor der Tür ist das allerdings auch nicht verwunderlich.

 

Alles in allem waren es zwar nur 4 Monate, doch ich hatte eine sehr intensive Zeit und kann im Rückblick betrachtet kaum glauben, was ich alles erlebt und gelernt habe. Meine Sprache hat sich von einem sehr theoretischen Wissen zu gesprächstauglich gewandelt, ich habe die deutsche Hektik abgelegt und herausgefunden, dass ich mir vorstellen kann, im Ausland zu unterrichten. Vor allem aber habe ich unglaubliche Menschen kennengelernt und mich ein bisschen verliebt in dieses Land mit dem milden Klima und der intensiven Art zu leben. Grazie mille bella Genova, a presto!

 

Zum Originalpost